Unter dem Titel „Im Angesicht der Endlösung. Die Entwicklung des öffentlichen Gedächtnisses und die Verantwortung des Historikers“ hielt Saul Friedländer auf dem Symposium einen richtungsweisenden Vortrag, in dem er sich mit der positivistischen und funktionalistischen Historiographie auseinandersetzt, welche die Verbrechen und Leidensgeschichten der Ära des Dritten Reichs durch Historisierung und Rationalisierung in bloße Anonymität verweist. Hans R. Vaget würdigte das Oeuvre Friedländers im Zusammenhang der Memory-Debatte in den USA. Jan Assmann und Klaus Berger befaßten sich mit der Frage des Antijudaismus in Antike und Bibel. Helmuth Kiesel stellte sich die Frage, woraus die außerordentliche kulturelle Leistung des Judentums zu Beginn der Moderne resultiere. Wolf-Daniel Hartwich und Dieter Borchmeyer erörterten am Beispiel E.T.A. Hoffmanns und Franz Grillparzers die Spiegelung des Judentums mit seinen pro- und antijüdischen Facetten im frühen neunzehnten Jahrhundert. Marius Meller schlug am Beispiel der Strafkolonie von Franz Kafka eine Lesart vor, die sich an der Bibel und der jüdischen Traditionsbildung orientiert.
Band 5 der Reihe Gegensatz.